Leahs Gedanken

...sind hier und dort und überall...

Feministischer Kampftag

Heute ist feministischer Kampftag und eigentlich hab ich keine Lust. Es ist der Tag der politischen Parolen, der großen Forderungen, der “Jetzt packen wir es mal an!"-Aussagen. Das ist frustrierend, denn an jeder Stelle wird klar wie desaströs die Lage tatsächlich ist.

Ein Problem steht ganz vorne, nicht weil es wichtiger ist als andere, sondern weil es sich heute in unglaublich vielen Überschriften und Texten wiederfindet. Es geht um fehlgeleitete Inklusion und die Diskriminierung anderer Minderheiten. Wenn wir heute von “Frauen*” sprechen, versuchen wir inklusiv zu sein und alle mitzumeinen, aber alle die es möchten, werden sich von “Frauen” genau so angesprochen fühlen. Dafür braucht es kein Sternchen, hinter dem sich Menschen verbergen, die eigentlich keine Frauen sind und auch nicht als solche bezeichnet werden wollen. Aber klar, es bedeutet auch, dass wir Frauen, die wir vielleicht nicht sofort als solche erkennen, dieses Label ebenso zugestehen müssen, und zwar gleichwertig. Unangenehmer Gedanke? Genau darum geht es heute!

Denn wenn wir ehrlich sind, der Tag heute ist egal, morgen geht es für die Meisten im Großen und Ganzen genauso weiter wie vorher. Schwups, sind sie wieder da die großen und kleinen, die schmerzhafteren oder weniger schmerzhaften Steine und Erfahrungen, die unseren Alltag belasten und säumen. In ein paar Tagen ist dann vielleicht der Tag einer anderen diskriminierten Minderheit. Aber wenn wir ehrlich sind, es ist jeden Tag ein Kampftag für viele Menschen.

Diese Tage verleiten zu Aussagen wie “Also ich sehe keinen Unterschied, für mich sind alle gleich!”. Das aber ist eine Perspektive aus machtvoller Position, von einem Menschen, der gelernt hat, dass er die Norm ist. Aber wir sind unterschiedlich, sehr sogar. Und das ist verdammt gut so! Denn was unsere Welt bereichert, voranbringt und bunt macht, sind unsere Unterschiede.

Es geht an Tagen wie diesen darum, die Unterschiede zu akzeptieren, nicht nur zu tolerieren. Was wir daher jeden Tag bekämpfen müssen, ist die Intoleranz, der Versuch alle Teile unserer Gesellschaft in die gleichen Formulare, Normen und veralteten Weltbilder zu zwängen. Es geht darum, die Vielfalt in allen Bereichen des Seins wertzuschätzen, voranzubringen und zu feiern!

Wenn wir diese Wertschätzung schaffen, dann können wir erkennen, dass die Unterschiede in unserer Gesellschaft zu Nachteilen führen können. Genau gegen diese Nachteile müssen wir daher aktiv werden. Niemand mag zum Beispiel eine Frauenquote, aber sie ist notwendig, um ein korrektiv zu schaffen, zu einer Entwicklung, die nicht richtig ist. Die Vielfalt eben nicht wertschätzt.

Am Anfang dieses Artikels stand der Gedanke, dass ich es komisch finde, den heutigen Tag zu feiern, aber vielleicht ist es genau das, was wir brauchen, das Feiern unserer Vielfalt und die klare Forderung, dass die gleichen Rechte und das gleiche Gehalt wie Männer nicht reicht!

Es geht um mehr! Es geht um eine Gesellschaft, in der wir unsere Unterschiede akzeptieren, sogar wertschätzen und niemandem dadurch ein Nachteil entsteht. Genau deshalb braucht es Tage wie heute doch, um uns daran zu erinnern, um uns zu feiern!