Heute gibt es mal ein unangenehmes Bild zum #oneLeahADay. Ich hab’ die letzten Tage immer wieder versucht, einen Weg zu finden, künstlerisch mit der aktuellen Weltlage umzugehen. Mit dem Werk hier möchte ich das verstörende Gefühl einfangen, wenn ich Nachrichten lese und zeitgleich versuche, meine Lebensfreude davon nicht beeinflussen zu lassen. Die Karte ist dabei mit echtem, mit meinem Blut gemalt, und auch sonst ist an den Bildern wirklich alles intentional.
Weitere Erläuterungen:
Das Blut auf der Karte ist etwas sehr Persönliches. Meine ganz persönliche, intime Verbindung zu dem Werk. Gleichzeitig ist es aber auch die Referenz auf das immer weitere Blutvergießen und die Gewalt in der Welt. Der Smiley repräsentiert das Lächeln auf dem Gesicht der Täter und die Tränen der Opfer. Gleichzeitig repräsentiert der Smiley aber auch den Versuch der Lebensfreude, auch wenn es einen manchmal zu Tränen rührt.
Er zeigt aber auch die gute Miene zum bösen Spiel, die wir oft aufsetzen, mal aus Ignoranz, mal aus Selbstschutz. Der Schriftzug „SMILE“ in Großschrift gleicht fast schon einem Befehl, dem Befehl unserer Gesellschaft, trotz all der Grauen und der Widrigkeiten zu arbeiten, zu funktionieren und dabei auch glücklich zu sein, weil es Anderen ja schlechter geht. Es geht immer anderen schlechter.
Der Schattenschlag über die Karte betont den Schatten, in dem das alles liegt: die Unsichtbarkeit des Kämpfens mit diesen Umständen. Es zeigt aber auch, dass es noch Licht gibt, aber das Dunkel direkt hinter uns wartet. Das zeigt auch der rapide Lichtabfall hinter dem Bild. Aber die Scheibe, die Brandmauer, der dünne Film der Zivilisation ist schon gerissen bzw. verloren gegangen, weshalb die Karte aus dem Rahmen hinausragt.
Und im zweiten Bild liegen die Scherben dessen vor dem Betrachter verstreut. Die Schatten sind tiefer geworden, der Blick nur noch vom Boden hinauf, und die Schatten werden schon tiefer und rücken näher. Und dabei ist sprichwörtlich schon alles aus den Fugen geraten, steht schief da und droht abzurutschen.